Historie

Vom „1. FC Olympia“ zum FCO

Zusammengefasst von Richard Rohrbach anlässlich des 75-jährigen Vereinsjubiläums im Jahre 1987

1912: „1. FC Olympia“

Die Ober-Ramstädter Fußballtradition stützt sich auf den „1. Fußball-Club Olympia“, der 1912 gegründet wurde. Zu den Gründern gehörten Philipp Büchner, Georg Burger 5., Georg Burger 6., Georg Friedrich, Heinrich Funk, Fritz Hartmann, Franz Kehr, Heinrich Mink, Heinrich Rodenhäuser, Karl Schanz, Jean Schimmsheimer, Philipp Strohauer und Wilhelm Weber. Vorsitzender war Heinrich Mink.
Das Vereinslokal war im Gasthaus „Zum Späßchen“ in der Adlergasse und als Sportfeld diente die nicht weit vom Vereinslokal entfernt liegende „Fohlenweide“.

1913: „Sport-Club“

Kaum hatte sich das junge Pflänzchen des „1. FC“ erholt, als bereits abgefallene Kräfte mit anderen Interessenten einen zweiten Verein, den Sport-Club, gründeten. Trotz der Konkurrenz soll sich ein reger Sportbetrieb entwickelt haben. Es kam sogar zu einem Lokalderby, das mit 1:1 endete. Schon ein Jahr später, im Jahr 1914, brach der 1. Weltkrieg aus, was auch für den Fußballsport in Ober-Ramstadt eine Zwangspause brachte. Am Ende des Krieges 1918 ergab sich für den Fußballsport in Ober-Ramstadt die traurige Bilanz, daß sieben der aktiven jungen Sportler nicht mehr in die Heimat zurückkehrten.

1918: „VfB“

Der Wunsch, nach dem Krieg bald wieder Sport zu betreiben, erfasste auch die hiesigen Fußballfreunde. Aus den Lagern der bei den früheren Vereine, dem „1. FC Olympia“ und dem „Sport-Club“, bildete sich der Verein für Bewegungsspiele. Schon nach kurzer Zeit zählte er rund 500 Mitglieder, was zu jener Zeit als sehr beachtlich galt. Vorsitzender wurde Karl Becht. Neben den zeitweilig bestehenden sieben bis acht Mannschaften betrieb der „VfB“ auch Leichtathletik.

Mannschaft 1920

1922: „FC Union“

Von dem Nachkriegsverein trennten sich wiederum Kräfte und bildeten erneut einen zweiten Verein, den Fußball-Club „Union“. Der Verein trug seine Spiele auf einem Platz am Steinbruch (hinter der Bahnlinie) aus, der zuvor vom „Arbeiter-Turn- und Sportverein“ hergerichtet worden war. Die beiden Fußballvereine stellten sogar einmal eine Auswahlelf, die gegen die damals populäre Mannschaft von Germania Eberstadt mit 5:2 erfolgreich blieb. Zuschauerzahlen bis zu 1.500 sollen nicht selten gewesen sein. Dieser Verein wurde von Philipp Büchner geleitet, der 10 Jahre zuvor Gründungsmitglied beim „1. FC Olympia“ war.

1928: „Sport-Club“

Die Inflationszeit in den Zwanzigerjahren erschütterte auch die Sportvereine in ihrem Gefüge und ging auch am „VfB“ und der „Union“ nicht spurlos vorbei. Dazu traten unliebsame Nebenerscheinungen, wie unsportliches Verhalten von Spielern und Zuschauern. Aus dieser Krisenzeit heraus formte sich ein neuer Verein, der sich wiederum den Namen „Sport-Club“ zulegte. Noch heute sind die Vereinsfarben „Blau/ Weiß“ überliefert. Der Sportplatz war eine frühere Wiese unterhalb der Landesstraße Ober-Ramstadt-Modau, gegenüber des Waldstückes „Schorrsberg“. Große Verdienste erwarb sich als Vorsitzender des „Sport-Club“ Georg Burger 6., der bereits Mitbegründer des „1. FC Olympia“ war.

1930: Arbeiter-Turn- und Sportverein

Neben dem sogenannten bürgerlichen Sport gab es in Ober-Ramstadt auch innerhalb des Arbeiter- Turn- und Sportvereins den „freien“ Sport. Neben mehreren anderen Abteilungen hatten die „Freien Turner“ auch eine voll ausgebaute Fußballabteilung, die viele Talente hervorbrachte. Verbandsmäßig waren die Vereine des „freien“ Sportes eigenständig gegliedert. 1933 wurde dieser prächtige Verein durch staatliche Anordnung aufgelöst. Mancher Spieler beendete damit auch seine Laufbahn, andere wieder wechselten als Fußballer zum „Sport-Club“ über. Hier wurden sie gleich in die große Fußballfamilie aufgenommen.

Mannschaft 1929/1930

1933/34

In diesen Jahren wurden viele Vereine im Zuge einer Anordnung der Regierung des 3. Reiches gleichgeschaltet oder aufgelöst. Das betraf auch den Arbeiter-Sport-Verein „Vorwärts“, ein Großverein in Ober-Ramstadt. Das Vermögen wurde beschlagnahmt. Der Verein verfügte unter anderem über eine voll ausgebaute Fußball-Abteilung, die ihre Verbandsspiele innerhalb eines eigenen Sportverbandes austrug. Der Sportplatz wurde in unnachahmlicher Weise von vielen ehrenamtlichen Helfern und mit Hilfe von Bausteinaktionen „In der Aue“ gebaut, etwa dort, wo heute das Stadion liegt.

1934: „Turn- und Sportgemeinde 1877 e. V.

Auch das Eigenleben des „Sport-Clubs“ wurde 1934 beendet. Alle hiesigen Vereine wurden auf höhere Weisung hin vereinheitlicht und unter dem Namen „Turn- und Sportgemeinde 1877“ zusammengeführt. Die Mitglieder und Spieler jedoch blieben die gleichen. Bis zum Kriegsausbruch 1939 hatten die Mannschaften sportliche Erfolge. Unvergesslich bleiben die Derbys der Nachbarn Ober-Ramstadt gegen Roßdorf. Georg Burger 6. leitete weiterhin die Geschicke des Vereins, bis die Kriegsverhältnisse im Jahre 1944 dazu zwangen, den Spielbetrieb einzustellen. Der unselige Krieg hatte bis zu seinem Ende 1945 schwer zu schließende Lücken hinterlassen. 25 aktive Sportler waren gefallen und sechs galten als vermisst.

Schüler 1934/1935

1945: „Abteilung Fußball in der Sport- und Kulturgemeinschaft“

„Neues Leben erwacht aus den Ruinen“. Unter diesem Zitat soll der Zeitabschnitt nach dem 2. Weltkrieg gesehen werden. Trotz äußerer und innerer Not drängte man wieder zum Fußballsport. Georg Burger 6., einer von jenen, die ihr Leben ganz dem Fußballsport verschrieben hatten, war wieder mal ein Mann der ersten Stunde. Besonders unterstützten ihn die Gebrüder Jakob und Wilhelm Neubert, die einst vom „Freien Sport“ kamen, beim Wiederaufbau des neuen Vereins. Bald sah man am „Schorrsberg“ wieder die blau-weißen Farben und frühere ältere und jüngere Fußballer fanden in dem neuen Verein, in der SKG, ihre Heimat. Die 1. Mannschaft war damals ein echtes Aushängeschild des Vereins. Es wurde ein frischer und technisch guter Fußball gespielt. 1954 gab der sich um den hiesigen Fußballsport so verdient gemachte, langjährige Vorsitzende Georg Burger 6. aus Altersgründen sein Amt ab, jedoch als Ehrenvorsitzender war er stets ein guter Berater.

1. Mannschaft 1946/1947

2002
”Back to the roots“ – Fußballer planen Austritt aus der SKG

Gründerversammlung des FC Ober-Ramstadt

von Thomas Weber

„So viele Mitglieder habe in meiner über 20-jährigen Vorstandsarbeit noch nicht bei einer Mitgliederversammlung begrüßen können“. Mit diesen Worten eröffnete der 1. Vorsitzende Heinz Bauer die außerordentliche Mitgliederversammlung der SKG Abteilung Fußball vor etwa 80 Mitgliedern am 25. Januar 2002 im Scheunensaal der Hammermühle. In seiner Mitgliederzeitung im Dezember 2001 hatte der Vorstand zu einer Informationsveranstaltung über den geplanten Austritt aus der SKG und zur Gründung eines neuen Fußballvereins in Ober-Ramstadt eingeladen. Mit einem ausführlichen Bericht wurde den Mitgliedern die aktuelle Situation dargelegt.

In der Zwischenzeit waren die Rahmenbedingungen jedoch bereits soweit abgesteckt, dass man im Anschluss an die Informationsveranstaltung die Mitglieder über den Austritt aus der SKG beschließen lassen wollte. Der Vorsitzende der Gesamt-SKG Lothar Reiter-Wassmann vermutete, dass nicht etwa finanzielle Aspekte Grund für die Austrittsabsichten der Fußballer seien, sondern vielmehr emotionale Gründe. Diesem Vorwurf warf der Vorstand der Fußballer entgegen, dass man in einer 2-tägigen Klausurtagung im November sehr wohl alle für und wider gegeneinander abgewogen und dabei auch die finanziellen Aspekte berücksichtigt hätte. Leicht sei die Entscheidung gewiss nicht gefallen, denn sehr viele Erinnerungen und Emotionen seien mit dem Namen SKG Ober-Ramstadt verbunden. Doch die Nachteile eines Großvereins wie die SKG mit ihren verschiedenen Abteilungen hätten bei dem Entschluss gegenüber den Vorteilen überwogen. Ein negatives Beispiel, welche Probleme ein Großverein mit sich bringt, wäre unlängst die Situation des TSV Pfungstadt gewesen.

Hitzigere Diskussionen als um die Gründe für den Austritt aus der SKG, gab es um die Formalität der Einladung zur außerordentlichen Mitgliederversammlung. Aus den Reihen der Mitglieder wurde kritisiert, dass die Einladung zwar fristgerecht, jedoch formal nicht den Satzungen entsprochen habe und somit schlimmstenfalls angefochten werden könne. Auch durch die Beteuerungen des Vorstandes, dass man doch mehrfach Rechtsanwälte kontaktiert habe, die in dem Vorgehen der Fußballer keinen Verstoß gegen die Satzungen gesehen hätten, ließen sich einzelne Mitglieder nicht beruhigen. Um allen Unstimmigkeiten aus dem Wege zu gehen und mögliche Verzögerungen bei der Umstrukturierung zu vermeiden, wurde die angedachte Abstimmung verschoben und soll bei der nächsten außerordentlichen Mitgliederversammlung am Freitag, den 22. Februar 2002 um 20.30 Uhr im Restaurant „Europa“ stattfinden.

Nach einer kurzen Pause fand die Gründerversammlung des Nachfolgevereins statt. Nach dem Motto „Back to the roots“ wird der neue Fussballverein FC Ober-Ramstadt heißen. Unter dem Namen 1. FC Olympia Ober-Ramstadt wurde 1912 der erste Fußballverein in Ober-Ramstadt gegründet, der damals eigenständig war. Nach dem 2. Weltkrieg mussten sich dann einige Abteilungen zur SKG Ober-Ramstadt zusammenschließen.

Der zukünftige 1. Vorsitzende Axel Rückert stellte im folgenden ausführlich die Satzung des neuen Vereins vor, die dem Amtsgericht Darmstadt zur Vorprüfung vorgelegt wurde und nur mit zwei Korrekturen bedacht worden sei. Ein Punkt, auf den man seitens der Fußballer großen Wert gelegt habe, sei die Anrechnung der Mitgliedszeiten der SKG Ober-Ramstadt, Abteilung Fussball und der Vorkriegs-Fussballvereine gewesen. Bei der Vorstellung der Mitgliedsbeiträge wurde darauf verwiesen, dass dies genau die Beiträge seien, die auf der Mitgliederversammlung der SKG im letzten Jahr beschlossen worden seien. Auch werde man die Beiträge im Frühjahr, die noch im Namen der SKG Ober-Ramstadt eingezogen würden, nur anteilig für 5 Monate berechnen. Die ersten Mitgliedsbeiträge des FC Ober-Ramstadt seien dann im Juni fällig. Nach Verlesen der Satzung und einer Aussprache über die Inhalte wurde diese einstimmig beschlossen. Die Versammlung mit 61 Gründungsmitgliedern wählte im Anschluss den Wahlausschuss. Toni Steck führte die Wahl des neuen haftenden geschäftsführenden Vorstandes durch. Zum 1. Vorsitzenden wurde Axel Rückert, zum 2. Vorsitzenden Erdogan Ceylan und zum Rechner Christoph Gerschermann gewählt. Zum erweiterten Vorstand wurden Robert Frei (Schriftführer), Tayfun Üstüner (Leiter Spielbetrieb Aktive), Reinhold Bergner (Jugendleiter), Karl-Heinz Fahrenholz (stellv. Jugendleiter) und Eric Dietrich (Leiter des Jugendförderkonzeptes) gewählt. Mit der Vorstellung des 5-köpfigen Beirates wurden die Wahlen abgeschlossen.

Aufgrund der Tatsache, dass die Abstimmung über den Austritt aus der SKG nicht durchgeführt wurde, kam aus den Reihen der neuen Mitglieder die Frage auf, was denn passieren würde, wenn die Mitgliederversammlung der SKG in 4 Wochen gegen den Austritt stimmen würde. „Dann wird die Eintragung des FC Ober-Ramstadt ins Vereinsregister gar nicht erst vorgenommen und somit der Verein auch nicht gegründet“, antwortete Axel Rückert. Doch soweit wird es hoffentlich nicht kommen, denn mit dieser großen Vorstandsmannschaft aus Mitglieder des noch amtierenden SKG-Vorstandes und den neuen Gesichtern und der dann gewonnen Unabhängigkeit ist sicherlich viel zu bewegen.

Fußballer treten aus der SKG aus

Mitglieder stimmen dem Antrag des Vorstandes zu

von Thomas Weber

Für den vergangenen Freitag hatte der Vorstand der Fußballer nochmals zur außerordentlichen Mitgliederversammlung eingeladen. Bereits in der Versammlung am 25. Januar 2002 sollte der Austritt aus der SKG beschlossen werden, doch nach einer längeren Diskussion über die Satzungskonformität der Einladung wurde der Antrag auf den Austritt vertagt.

Diesmal versammelten sich über 40 Mitglieder, um über den Antrag des Vorstandes zu beschließen. Nachdem der 1. Vorsitzende Heinz Bauer die Erklärung des Vorstandes verlesen hatte, blieben diesmal größere Diskussionen bezüglich des Vorhabens der Fußballer aus.

Mit nur 2 Gegenstimmen folgten die Mitglieder schließlich dem Antrag des Vorstandes. Somit wird es ab dem 01.06.2002 keine Fussballabteilung in der SKG mehr geben. Der Nachfolgeverein, der FC Ober-Ramstadt, wurde in der Gründungsversammlung am 25. Januar 2002 bereits gegründet.

Der 2. Vorsitzende der Fußballer, Christoph Gerschermann, ging auf den Bericht des Darmstädter Echos ein, der für viel Unmut in den anderen Abteilungen der SKG gesorgt hatte. Er beteuerte, dass er die Aussagen, die ihm dort in den Mund gelegt worden wären, niemals getroffen hätte. Er habe lediglich die Anfrage der Zeitung bejaht, dass die Mitgliederversammlung am 22.02. wie geplant stattfinden würde. Weder der aktuelle Gesamtvorstand der SKG, noch einzelne Abteilungen wären von ihm angegriffen worden.

Der 1. Vorsitzende der Fördervereines Fussball, Bernd Schneider, stellte den Antrag, die Mitglieder darüber abstimmen zu lassen, dass die Unterstützung der Fördervereins der Fussballabteilung in der SKG auf den Nachfolgeverein, den FC Ober-Ramstadt übertragen werden soll. Auch diesem Antrag stimmten die Mitglieder zu. Bernd Schneider werde in der nächsten Mitgliederversammlung des Fördervereins den Antrag auf Satzungsänderung stellen. Mit dem Finanzamt sei diese Vorgehensweise bereits abgestimmt.

Am Ende der Sitzung lud Heinz Bauer die Mitglieder zur Jahreshauptversammlung, es wird die letzte der Fussballabteilung in der SKG sein, für den 19. April 2002 um 20.00 Uhr in das Restaurant „Europa“ ein. Die Einladung werde unter Angabe der Tagesordnung nochmals in den Odenwälder Nachrichten erscheinen.‘

Veröffentlicht: 28.06.2015 von Axel Rückert